Emmely @work. [Flexibilität und Selbstbewusstsein]

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Fast ein Jahr ist der letzte Beitrag zu dieser Reihe schon alt. Da hatte ich Euch von den zu guten und leider auch den schlechten Tagen berichtet, die dazu führten, dass Emmely mich seltener bei der Arbeit begleitet.

Inzwischen hat sich mein „Stundenplan“ wieder etwas verändert.

Klienten sind gegangen, neue dazu gekommen. Der Junge, von dem ich im letzten Beitrag voller Vorfreude berichtet habe, hat kurz nach der Veröffentlichung die Therapie abbrechen müssen, weil der Fahrtweg von Zuhause zur Praxis bzw. Schule zur Praxis ohne eigenes Auto kaum machbar war, die Ämter kein Taxi zahlten und eine Therapie in den Räumlichkeiten der Schule inhaltlich wenig Sinn machten. So ist das leider manchmal.
Die erwachsene Klientin aus dem Wohnheim ist inzwischen Dank einer Medikamentenumstellung viel agiler geworden, weshalb sich die Ziele der Therapie etwas verändert haben und Emmelys Mithilfe in diesem Fall aktuell nicht erforderlich ist

Veränderungen und Fortschritte bei Tilde

Aber erinnert Ihr Euch noch an Tilde? Über sie hatte ich mal einen etwas ausführlicheren Beitrag geschrieben und noch immer kommt sie und noch immer begleitet mich Emmely regelmäßig zur ihren Therapiestunden.
Noch immer verstecken wir im gleichen Raum wie vor eineinhalb Jahren Futter im Raum, welches Emmely im Anschluss dann suchen muss. Routinen können wichtig sein und daher machen wir das noch immer. Aber nicht mehr nur.
Kekse backen war damals ein großer Schritt – mit Zutaten, die wir selbst mitbrachten.

Inzwischen haben wir Hundekekse gebacken und die Zutaten vorher selbst im nahegelegenen Supermarkt eingekauft. Wir sind sogar mal in die Stadt gelaufen und haben dort für und mit Emmely zusammen Hundekekse und ein Spielzeug für die Therapiestunden gekauft.
Seit Neustem traut sich Tilde sogar ans Tricksen mit Emmely heran und zeigt ihrer kleinen Schwester, die gelegentlich mit in die Stunden kommen darf, wie sie was machen muss, damit Emmely zum Beispiel „Hase“ macht.

Sich selbstwirksam erleben, sich erlauben Fehler zu machen, Selbstbewusstsein aufbauen – das sind unter Anderem Ziele für Tilde.
Auch Stunden ohne Emmely kriegen wir gut rum, sie kann sich auf Neues viel besser einlassen, trotzdem klar sagen, wenn sie etwas nicht machen möchte.

In den letzten Monaten ist Tilde nicht zur Schule gegangen.
Ihr wächst alles über den Kopf, alles ist so anstrengend sagte sie. Tilde ist eine kluge Schülerin, am Lernstoff selbst liegt es nicht, aber das Drumherum mit vielen anderen Mitschülern in der Klasse, die pubertär und laut sind, an den gestiegenen sozialen Anforderungen. Sie war stets bemüht nicht aufzufallen – nicht anders zu sein. Aber das kostete zunehmend mehr Kraft und Energie und irgendwann schaffte sie es nicht mehr zur Schule, selbst zum Reiten, ihrem liebsten Hobby, ging sie nicht mehr regelmäßig.
Und obwohl es in der Schule und im familiären Alltag irgendwie nicht gut lief, kam sie weiterhin zur Therapie und machte stetig kleine Fortschritte.

Inzwischen hat Tilde die Schule gewechselt, obwohl sie dort niemanden kennt und ist bisher ganz glücklich über ihre Entscheidung.
Zum Reiten geht sie auch wieder und wir schauen mal, wie lange sie denn tatsächlich noch bei uns bleiben wird.
Ich glaube ja, dass sie uns bald nicht mehr braucht.
Denn das ist ja schließlich das Ziel einer Therapie

Neue KlientInnen für Emmely und mich

Vor etwa zwei Monaten habe ich gleich drei neue KlientInnen bekommen.
Drei Jugendliche. Zwei Jungs, ein Mädchen.
Ich nenne sie Loui, Jonne und Livia.

Da die Therapie im Internat stattfindet und ich dort auch erstmal die Lehrer und Räumlichkeiten kennen lernen möchte, begleitet mich Emmely nicht dorthin. Aber durch die Feiertage finden die Stunden dann in der Praxis statt und so konnten Jonne und Livia Emmely bereits kennenlernen. Und von Livia möchte ich Euch heute auch noch erzählen:

Livia hat die Diagnose Asperger-Autismus und einen überdurchschnittlichen IQ. Sie interessiert sehr für Chemie und Erdkunde und verbringt sehr viel Zeit mit Lesen, Fakten sammeln und Ähnlichem. Livia plant ihren Tag durch und versucht ihre Zeit immer sinnvoll zu nutzen. Außerdem hat sie extreme hohe Ansprüche an sich selbst, möchte niemanden verletzen und es jedem recht machen. Sie bezeichnet sich selbst eher als schüchtern und spricht immer recht leise. Manche Lehrer drücken ihr sogar Sprüche, weil sie so leise redet. Dann vergeht ihr oft die Lust sich am Unterricht zu beteiligen und eigentlich hält sie sogar gerne Referate, aber solche Reaktionen machen es ihr schwer.
Livia hat zwei Katzen und sich sehr über meinen Vorschlag gefreut, mal eine Stunde gemeinsam mit Emmely zu machen. Mit Tieren komme sie wunderbar zurecht, die wären so klar in ihrem Ausdruck sagt sie.

In unser ersten gemeinsamen Stunde zu Dritt haben sich Livia und Emmely erstmal kennen gelernt. Futter verstecken und Suchen lassen ist eine wunderbare Sache, weil sie immer funktioniert, es kein richtig oder falsch gibt – nur leicht oder schwer -, Emmely immer voll bei der Sache ist und man beim Verstecken trotzdem Entscheidungen treffen muss.
Welche Stellen sind geeignet zum Futter verstecken? Wie viel soll man verstecken?

Wir haben dafür zwei Räume zur Verfügung, in denen sich außer ein Sofa und viele Sitzkissen nichts befindet. Reizarm und trotzdem ergeben sich mit etwas Fantasie viele Möglichkeiten – nicht nur in den Stunden mit Emmely.
Die Fensterbänke sind so, dass Emmely dort auch hinkommt, also gibt es eigentlich keinen Versteckmöglichkeiten, wo sie nicht drankommt.

Emmely wartet während des Versteckens im Vorraum und wenn man sie dann reinholt, fängt sie mit Feuereifer an zu suchen. Und allein ihr dabei zuzugucken macht schon sehr viel Spaß. Und die Aufgabe eignet sich auch für KlientenInnen, die vielleicht erstmal Berührungsängste haben und nicht so nah mit dem Hund arbeiten wollen.
Am Ende der Stunde haben Emmely noch ein bisschen aus unserem Trickrepertoire gezeigt und Livia traute sich auch direkt an ein paar Tricks.
Sie sagte „Sitz“ und nichts passierte. Sie hatte leise gesprochen und Emmely wusste auch überhaupt nicht, dass Livia jetzt mit ihr redete. Also nochmal: Emmely mit Namen ansprechen, warten bis sie reagiert und dann „Sitz“ – diesmal ein bisschen lauter. Und es klappte und Livia hatte direkt verstanden wie ihr das z. B. Tricksen mit Emmely im Alltag helfen kann: Mit Emmely kann sie üben lauter zu sprechen, ohne dabei eine negative Rückmeldung zu bekommen.
Am Meisten hat mich jedoch überrascht, dass sie schon jetzt findet, dass sie in der Therapie sein kann, wie sie wirklich ist.
Gerade Jugendliche sind meist sehr lange bemüht, möglichst unauffällig und normal zu wirken.

In den Ferien ist Livia wieder in der Praxis, da finden dann die nächsten Stunden mit Hund statt. Und nach den Ferien werden ich mich mal erkundigen, ob es denn möglich wäre das Aussiemädchen auch mit in das Internat zu bringen. Da es dort bereits einen Schulhund gibt, haben wir da denke ich ganz gute Chancen. Mal sehen.

Da ich nun schon länger nichts mehr zu dem Thema hundgestützte Therapie geschrieben habe und ich gar nicht mehr sicher weiß, ob Euch sowas noch interessiert, würde ich mich über Feedback von Euch freuen!

Bis ganz bald.

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