Eingebrockte Suppe und Knitterfalten bügeln

„Du kannst nicht zurück gehen und den Anfang verändern. Aber du kannst starten wo du bist und das Ende verändern.“

Ich liebe unsere drei Mädchen. Und ganz besonders Hazel. Und dass, obwohl sie mir oft Kopfzerbrechen bereitet. Und unseren Alltag viel komplizierter macht, als ich mir das eigentlich gedacht hatte. Ich liebe sie, obwohl mit ihr ein entspanntes Spazierengehen mit allen drei Hütehundmädchen nicht möglich ist. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich wunschlos glücklich bin und alles wunderbar toll ist und ich es gar nicht anders haben will.

Der Wildfang und andere Hunde

Hazels und meine größte Baustelle ist nach wie vor die Begegnungen mit Artgenossen. An der Leine und besonders ohne Leine. Es gibt immer mal wieder klitzekleine Fortschritte und manchmal können wir auf dem gleichen Weg an einem angeleinten Hund vorbei gehen, ohne das Hazel sich aufbaut. Das funktioniert selbstverständlich nur, wenn ich viel dafür tue und ihre Aufmerksamkeit auf mich lenke, aber immerhin: Manchmal klappt es. Ist der andere Hund jedoch unangeleint in unserer Nähe, so gerät sie noch immer in Stress. Und an Ableinen – auch mit Maulkorb – daran ist meiner Meinung nach noch lange, lange nicht zu denken.
Dies trifft zumindestens in der freien Wildbahn zu.
Auf der „Hund und Pferd“ Messe in Dortmund hat Hazel vergangenes Wochenende mal wieder gezeigt:
Sie kriegt das hin: Viele Hunde, viele Menschen und sie liegt inmitten des Gewusels auf dem Rücken und lässt sich von mir kraulen. Kein Maulkorb, kein Lefzen hochziehen, kein sich steif machen. Ereignisse wie diese machen mir Mut, geben mir Hoffnung, dass noch nichts verloren ist.

Auch die kleinen Dinge nerven im Alltag

Aber wir haben auch kleinere Baustellen (und vermutlich hängen die alle irgendwie zusammen).
Zuhause beansprucht sie mich immer häufiger für sich allein. Sobald sie ins Bett darf (oder möchte), liegt sie sofort auf mir drauf. Und wenn ich die anderen beide Hütehundmächen begrüßen möchte, drängelt sie die weg. Gelegentlich fiept sie sogar, wenn ich den Lieblingszweibeiner umarme. Und dann die Bellerei.
Sobald sie das Zuggeschirr trägt und aus dem Auto austeigen darf, geht der ohrenbetäubende Krach los. Und zwar so lange, bis wir dann tatsächlich los laufen. Das ist vor Wettkämpfen anstrengend, aber auch im Training nicht nur für mich nervig.

Auch beim normalen THS Training stört mich das Bellen an einigen Stellen sehr. Zum Beispiel, wenn ich die Leine abmachen möchte – sowie es vor jedem Start also gemacht werden muss und wie es auch die Gehorsamsprüfung für den Vierkampf 1 vorsieht.
Bei unserem erster Vierkampf vor ein paar Wochen hatte ich wirklich Sorge, dass Hazel während der Unterordnung anfängt zu bellen, weil ein Teil der Unterordung ja ohne Leine geführt wird. Die Sorge war schnell verflogen, da Hazel einfach von Beginn an, wo ich uns beim Richter anmeldete, durchgehend bellte. Nur bei den technischen Übungen holte sie mal Luft und blieb kurz still.

Indianermädchen und easypeasy? Nö.

Aber auch mit den anderen Hütehundmädchen läuft nicht immer alles so rosig.
Nehmen wir mal Emmely. Die bellt eigentlich nie. Und bis vor einem Jahr habe ich sogar noch spaßeshalber behauptet, dass sie gar nicht weiß, wie man das macht. Seitdem wir Geländelauf machen, hat Emmely ihre Stimme gefunden. Sie bellt allerdings nicht so richtig. Sie schreit eher vor Aufregung – das ist aber auch nicht angenehmer als das Bellen von Hazel. Noch dazu kann sie es kaum erwarten, bis sie aus dem Auto steigen und  auch wirklich ziehen darf. Sie wartet mein Okay gar nicht mehr ab, sondern trifft lieber selbst die Entscheidung. Typisch Emmely – aber dennoch oftmals anstrengend und nicht ganz ungefährlich. Ganz allgemein hinterfragt sie nun häufiger die eigentlich bekannten Grenzen/ Regeln und hängt sich beispielsweise so richtig in die Leine, um unbedingt an diesen einem Grashalm zu schnuppern, überlegt, ob sie nun wirklich kommen muss, wenn ich sie rufe und ob ich es wirklich ernst meine, wenn sie gerade mal nicht ins Bett darf.

Und Colani steckt in der Pubertät

Zu guter Letzt Colani. Unser kleines Nesthäkchen mitten in der Pubertät. Oft fragen wir uns, ob sie uns draußen überhaupt zuhört, scheint sie doch immer mit ihrem Kopf in einer Wolke herumzulaufen. Noch immer ist sie bei Motorengeräuschen sehr angespannt und oft kaum ansprechbar. Aber auch sie testet nun immer häufiger ihre Grenzen im Freilauf und zögert, wenn wir sie aus dem Spiel mit anderen Hunden abrufen. Und überhaupt ist alles, was nicht nach Kraftfahrzeugen aussieht, sehr interessant.

Herumsitzen, jammern und wünschen

Es wäre wirklich schön, wenn ich einfach mit den Fingern schnipsen könnte und all unsere großen und kleinen Baustellen wären Schnee von gestern. Aber da schnipsen uns in dem Fall nicht weiter bringt und Nichtstun uns nur größere Baustellen bringen würde, haben der Lieblingszweibeiner und ich beschlossen, den kleinen Baustellen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Denn wie schon gesagt, hängt gerade bei Hazel ja auch irgenwie alles zusammen und ohne die kleineren Baustellen hätten wir es doch alle ein wenig leichter.

Falls ihr Euch fragt, wie es zu den kleineren Baustellen gekommen ist, so ist die Antwort sehr einfach: Wir waren nicht konsequent und fanden es anfangs nicht oder nicht so sehr störend. Es war zum Teil ein schleichender Prozess, vorallem was die „Ins Bett hüpfen“ Situation betrifft. Und zu Beginn fand ich es sogar ein bisschen schön zu sehen, dass sich die Aussiemädchen total auf den bevorstehenden Geländelauf freuen. Nur ist es nicht mehr so witzig, wenn die Mädels auf einmal losrennen, aber ich noch gar nicht bereit bin. Oder man sich früh morgens um 6 Uhr zum Laufen verabredet und die gesamte Nachbarschaft weckt, weil Emmely und Hazel sich vor Freude und Aufregung gar nicht mehr einkriegen.
Wie (fast) immer, liegt das Problem am zweibeinigen Ende der Leine.

Suppe auslöffeln, die man sich selbst eingebrockt hat

Nun müssen wir Zeit und Nerven investieren, um die knitterigen Falten in unserem Alltag wieder glatt zu bügeln.
Das heißt, die Mädels dürfen zwar noch ins Bett und auch im Bett schlafen, aber wir entscheiden wann. Wer von selbst einfach ins Bett gehüpft kommt, wird konsequent wieder herunter geschickt – egal wie niedlich das jeweilige Hütehundmädchen dabei gerade ist.
Ich achte mehr darauf, ob Hazel gerade die Anderen verdrängt, denn dann regel ich das. Auch darf der Wildfang nun nicht mehr ständig mich und mein Kopfkissen belagern – sondern nur noch mit meinem Okay zum Kuscheln kommen.

Mit wenig viel erreichen

Mit dem Bellen vor dem Geländelauf- Training ist nun auch Schluss.
Ich habe mir nun vorgenommen, vorerst alleine mit jeweils einem Mädchen zu trainieren und bin letztens mit Hazel zu einem einsamen Parkplatz gefahren, wo das Bellen niemanden stört. Das ist wichtig, damit ich entspannt und ruhig bleiben kann. Und so hat Hazel die Erfahrung gemacht, wenn sie lauthals bellend aus dem Kofferraum springt oder noch bevor ich das Zeichen zum Ziehen gebe, dann geht es direkt wieder zurück ins Auto.
Nach drei/vier Wiederholungen hatte der Wildfang aber schon verstanden, was ich von ihr möchte und zumindestens für diesen Abend war das Thema erledigt.
Dasselbe habe ich mit Emmely ausprobiert und sie brauchte nur ein einziges Mal zurück ins Auto und danach war auch das Thema bei ihr durch. Es wird aber noch etwas Zeit benötogen, denn Emmely und Hazel pushen sich zusammen hoch und erst Recht die Vorfreude darauf, mit den anderen Hunden und Zweibeinern zu laufen.

Auch nehme ich mir mehr Zeit, wenn ich die Mädels aus dem Kofferraum lasse. Kein Aufmachen und raus, sondern auch mal den Kofferraum geöffnet lassen und ein bisschen Zeit verstreichen lassen. Wer einfach rausspringt, muss wieder zurück in den Kofferraum. Und dann gibts eine neue Chance. Aber auch das hat Emmely schnell verstanden und schon jetzt klappt es wieder viel besser.

Auf dem Hundeplatz üben wir nun das Ableinen und Starten als eigenen Sequenz getrennt von dem eigentlichen Sportteil. Ich lasse mir mehr Zeit beim Umhängen der Leine, mache manchmal die Leine im Anschluss einfach wieder dran und zeige ihr, dass das Ableinen nicht zwangsläufig Aktion bedeutet. Auch das nimmt sie schon wirklich schön an. Was die kleinen Baustellen angeht, sind es nur kleine Veränderungen, die aber schnell zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Mit Emmely arbeite ich wieder vermehrt an der Impulskontrolle und am Rückruf, gehe nur mit ihr oder gemeinsam mit Colani spazieren und zaubere immer mal wieder ein besonders tolles Spielzeug aus der Tasche.

Und bei Colani schauen wir vermehrt, dass sie mit anderen Hunden spielen kann und wir sie für kurze Trainingseinheiten mit in den Trubel nehmen. Ein bisschen haben wir aber auch die Hoffnung, dass sich das mit der Geräuschempfindlichkeit nach der Pubertät legt.

Alles in allem sind es Kleinigkeiten, die wir verändern müssen, damit unser Zusammenleben wieder harmonischer wird.

Lieblingshund Hazel

Zu Beginn hab ich es gesagt. Hazel liebe ich ganz besonders. Aber nicht, wegen „ihrer Schwäche“ oder „ihrer Fehler“, wie manche vielleicht vermuten. Zum Einen könnte ich darauf gut verzichten, zum Anderen bin ich zum größten Teil an ihrem Verhalten schuld. Das ich so sehr an Hazel hängen liegt, liegt an ihrer Anhänglichkeit an mir.
Emmely war schon immer ein sehr souveräner und eher unabhängiger Hund. Zu ihr habe ich ebenfalls eine enge und sehr besondere Verbindung, auch weil sie mein erster Hund ist. Doch im Gegensatz zu Emmely würde Hazel alles für mich tun. Emmely würde mich im Zweifel für einen zwei Tage alten Döner links liegen lassen.
Und Colani ist das Hundemädchen vom Lieblingszweibeiner. Ich spiele, artbeite und kuschel sehr sehr gerne mit ihr und trotzdem ist sie eben nicht ganz mein Hund. Und das ist auch okay, denn ich liebe sie trotzdem sehr.
Anfangs habe ich immer gesagt, ich habe sie alle gleich gern. Aber das geht gar nicht. Zumindestens für mich nicht. Und inzwischen kann ich damit auch gut umgehen, denn es fühlte es sich ziemlich gemein gegenüber Emmely an.
Aber auch Ememly bekommt ihre Zeit mit mir alleine, sowie jedes der Hütehundmädchen und diese Zeit zu Zweit genießen wir sehr.

Und das ist auch das Schöne an einem Rudel. Jeder hat seine Stärken und Vorlieben und die gemeinsam zu erleben und auszuleben macht unseren Alltag so bunt und abwechslungsreich.
Die Knitterfalten lassen sich dadurch aber leichter ertragen und die Suppe schmeckt dann meistens gar nicht mehr so schlecht.

Bis ganz bald.

Anbei noch einen kleinen Einblick in unser Training. Hin und wieder könnte mein Timing wohl etwas besser sein, aber genau dabei hilft mir so ein Video – Selbstreflextion und so. Ihr kennt das.

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